Als 1956 die Bundeswehr gegründet wurde, folgte die Aufstellung der Wallmeisterorganisation nur wenig später im Jahr 1957.
Die Wallmeisterorganisation, eine Spezialorganisation innerhalb der Pioniertruppe der Bundeswehr, bzw. die Wallmeistertrupps waren für die Wartung und Betreuung der in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Anlagen und Objekte zuständig. Die Bewohner in Landkreisen entlang der innderdeutschen und der tschechoslowakischen Grenze, in denen solche vorbereiteten Sperranlagen im großen Stil errichtet wurden, werden sich bestimmt noch an die VW-Busse mit den orangen Rundumleuchten erinnern, die ab und zu am Straßenrand standen, teils in extra dafür vorgesehenen Parkbuchten.



Organisation der Wallmeistertruppe:
Festungsbauwerke und Landesbefestigungen (Maginotlinie, Westwall) im ursprünglichen Sinn und Umfang gab es nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr und sollte es auch zukünftig nicht mehr geben. Deshalb gab es in der Bundeswehr auch keine Festungspionierstäbe mehr, denen früher die Wallmeister angehörten.
In der Zeit des Kalten Krieges unterstanden die Wallmeister dem Territorialheer und waren dort als Pionierdienststelle organisch eingegliedert. Die Aufgaben des Wallmeisterdienstes wurden durch die Teileinheit Pionierwesen in den Stäben der Verteidigungsbezirkskommandos (i. d. R. durch 1 Pionierstabsoffizier, 2 Pionieroffiziere, 1 Wallmeisterfeldwebel) und den Wallmeistertrupps (1 Hauptfeldwebel als Truppführer, 1 Oberfeldwebel als Wallmeister und 1 Pionierunteroffizier der Reserve als Zivilkraftfahrer) wahrgenommen.
Verantwortlich für das Erfüllen der Wallmeisteraufgaben war der Kommandeur im Verteidigungsbezirk und wurde hierbei von der Teileinheit Pionierwesen unterstützt. Der Pionierstabsoffizier des Verteidigungsbezirkskommandos war der Berater des Kommandeurs in allen Fragen des Pionierwesens. Dazu führte und setzte er die Pionieroffiziere und Wallmeisterfeldwebel seiner Teileinheit ein.
Je nach Anzahl der zu bearbeitenden Objekte und Aufgaben wurden den Wallmeistertrupps Dienstbereiche innerhalb des Verteidigungsbezirks zugewiesen. Sie deckten sich im Frieden in der Regel mit den politischen Grenzen der Landkreise. Diese Aufteilung war notwendig, um eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Zivilverwaltung (Gemeinden, Bau- und Straßenämtern, Polizei, Forstverwaltungen, Straßenmeistereien usw.) sicherzustellen und Überschneidungen zu vermeiden.
Für ihre Arbeit waren die Wallmeistertrupps mit VW-Bussen (8-Sitzer) und Rüstsatzeinbau zur Aufnahme der mitzuführenden Ausstattung ausgerüstet. Generell versahen die Wallmeistertrupps ihren Dienst aus Gründen der Geheimhaltung in Zivilkleidung. Die Kraftfahrzeuge hatten einen zivilen, grauen Anstrich und zivile (Tarn-)Kennzeichen.
Zum Ende des Kalten Krieges verrichteten insgesamt 143 Wallmeistertrupps (Stand: Ende März 1989) ihren Dienst flächendeckend über alle Bundesländer mit Ausnahme des Saarlands. Der Großteil der Wallmeistertrupps aber war im ostwärtigen Bereich der Bundesrepublik stationiert, da sich hier der überwiegende Teil der zu betreuenden Anlagen und Objekte befand.
Heute (Stand Anfang 2026) gibt es in der gesamten »neuen« Bundesrepublik noch ca. 10 Wallmeistertrupps, die sich auf die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern verteilen und dort den jeweiligen Landeskommandos unterstellt sind. Ihre Aufgaben bestehen heute neben der Betreuung der restlichen noch bestehenden vorbereiteten Sperranlagen u. a. auch verstärkt im Umweltschutz.
Die nachfolgenden Bilder zeigen die Ausrüstung eines Wallmeisterbusses sowie die personelle Zusammensetzung des zugehörigen Wallmeistertrupps in Zivil- und Dienstbekleidung.


Ausbildung zum Wallmeister:
Aus einer Schrift des Waffenrings deutscher Pioniere aus dem Jahr 1983 ging hervor, dass der Schwerpunkt der Ausbildung im Sperr- und Sprengdienst lag. Die weiteren Ausbildungsgebiete waren
- Erkunden und Bewerten natürlicher Hindernisse
- technisches Zeichnen
- Kenntnisse der Konstruktion von permanenten Bauwerken (z.B. Brücken, Straßen, Tunnels)
- Lagerung und Unterhaltung von Pioniersperrmunition
- Bau von Feldbefestigungen
- Erkunden und Erfassen von Gewässern
- Schadenserkundung und Schadensmeldung
- Auftrag und Aufgaben der zivilen Bauverwaltungen
- Umgang mit Zivilbehörden und NATO-Dienststellen
Nach dieser entsprechenden Vorbereitung konnten Feldwebeldienstgrade i. d. R. im Alter von etwa 35 Jahren aus dem Truppendienst in den Wallmeisterdienst übernommen werden. Ergänzt wurde ihre Ausbildung durch Vertiefungslehrgänge an der Pionierschule, sowie durch eine jährlich stattgefundene, einwöchige Weiterbildung mit Erfahrungsaustausch.
Eine wesentliche Voraussetzung auf diesem Gebiet war die genaue Kenntnis der Objekte und des Geländes, aber auch der enge Kontakt zur Bevölkerung und zu den örtlichen zivilen Dienststellen. Es wurde deshalb angestrebt, Wallmeister möglichst bis zu ihrer Entlassung aus dem aktiven Dienst in dieser Verwendung zu belassen.
Aufgaben der Wallmeister:
Wallmeister wurden zur Unterstützung der NATO-Truppen auf dem Gebiet der Sperren, Lähmungen und Feldbefestigungen eingesetzt und waren auf eine enge Zusammenarbeit mit den NATO-Truppen und zivilen Baudienststellen angewiesen. Ihre Aufgaben bestanden im Einzelnen aus:
- Unterstützung der NATO-Truppen durch Anlage, Bau und Unterhaltung von vorbereiteten Sperren in Verkehrswegen unter Berücksichtigung nationaler Interessen
- Unterstützung der NATO-Truppen bei der Lagerung und Unterhaltung von Spreng- und Zündmitteln für vorbereitete Sperren
- Unterstützung der NATO-Truppen beim Auslösen vorbereiteter Sperren,
- Beratung der NATO-Truppen bei Anlage von feldmäßigen Sperren aufgrund ihrer Geländekenntnisse
- Erkunden und Bewerten natürlicher Hindernisse
- Erstellen von Gewässerübersichten, Gewässerfolien (Übergangsmöglichkeiten über Gewässer)
- Erarbeiten und Führen von Sperrunterlagen (z.B. Sperrhefte, Sperrobjektkarteikarten usw.)
- Mitwirken an Übungen der NATO-Truppen (z.B. als Sperrschiedsrichter)
- Schadenserkundung und Schadensbeseitigung an Bauten und im Gelände
- Erkunden und Erfassen von Baustoffen, Baumaschinen, Baufirmen usw. im Rahmen des pioniertechnischen Berichtswesens
- Möglichkeiten der Wassererschließung
- Mitarbeit bei der Erkundung der Straßen- und Brückenkarten.
Beispiele:
Ein Beispiel soll die Vielfältigkeit der Tätigkeiten und damit die Verantwortung der Wallmeister beleuchten. Die zuständige NATO-Kommandobehörde forderte die bauliche und pioniertechnische Vorbereitung einer großen Straßenbrücke zur Sprengung. Es war nun Aufgabe der Wallmeister
- bei der Sperrobjektbeurteilung in Zusammenarbeit mit dem Divisionspionierführer mitzuwirken
- die erforderlichen Konstruktionszeichnungen zu erstellen und, falls notwendig, die Bewehrungspläne vom zivilen Baulastträger zu beschaffen
- die Spreng- und Zündpläne aufzustellen und die Ladungsberechnungen durchzuführen
- Dabei Berücksichtigung der nationalen Belange nach der Weisung, nicht mehr zu zerstören, als taktisch unbedingt erforderlich. Die Vorbereitungen sind so zu treffen, dass das Laden und Zündfertigmachen des Sperrobjekte in möglichst kurzer Zeit mit wenig Kräften durchgeführt werden kann
- die Spreng- und Zündpläne abzustimmen a. mit dem Baulastträger oder der Brückenbaufirma b. der NATO-Truppe
- die Unterlagen für die Militärische Bedarfsforderung und der Infrastrukturforderung zu erstellen
- die erforderlichen Detailzeichnungen anzufertigen
- die Bauausführung auf Einhaltung der militärischen Forderung zu überwachen
- an der militärischen Bauabnahme mitzuwirken
- die Unterlagen für das Sperrheft zu erarbeiten
- nach Fertigstellung der Sperrvorbereitungen und Übergabe an die NATO-Truppen die Unterhaltung der Sperrvorbereitungen durchzuführen bzw. zu veranlassen
- in bestimmten Fällen in Sperrmittelhäusern die Sperrmunition zu lagern und zu unterhalten
(Aktualisierungsstand: 30.01.2026)